Wissensaktivierung – Neue Denkwege


Armin Rütten

Armin Rütten

Wer das gerade frisch veröffentlichte Wissensaktivierung – Neue Denkwege von Armin Rütten und Luca Pogoda liest, darf sich darauf gefasst machen, dass an den Grundfesten so manchen Glaubenssatzes gerüttelt wird.

Die Autoren zeigen auf überschaubar vielen, aber äußerst inspirierenden Seiten auf, was am Ende einer Wissensaktivierung steht und was unterwegs bearbeitet wird: Das Denken wird schneller. Man wird gelassener. Damit „natürlich“ charismatischer. Man versteht die Gedankenwelt des Gegenübers besser. Und weil das so ist, wird man erfolgreicher in seinem Handeln.

Aber! Und hier wird es wirklich knifflig. Diese Wissensaktivierung setzt ein gewisses Bewusstsein voraus. Und damit ist die Wissensaktivierung nur noch für einen kleineren Kreis „ungefährlich“.

Luca Pogoda

Luca Pogoda

Entgegen der heute herrschenden Meinung sind wir Menschen nicht gleich, so die Autoren. Und sie erklären das auch sehr nachvollziehbar. Einerseits haben wir während unserer Entwicklung unterschiedliche Talente zu unterschielichen Zeiten ausgebildet (auf die leider in unserer Schule nicht eingegangen wird, sprich es wir meist das falsche gefördet). Andereseits machen wir unterschiedliche Erfahrungen in den jeweiligen Kulturen. Zudem gibt es unterschiedliche Bewusstseinsstufen. Es gibt Menschen, die wünschen sich in ihrer Unsicherheit Führung. Andere sind dogmatisch festgelegt. Wieder andere sind frei, sich jederzeit Neuem zuwenden zu können.

Die Wissensaktivierung sei etwas für Letztere. Wer also Dogmen anhängt, der wird kaum von der Methodik profitieren können.

Warum aber sollte das Denken nach einer Wissensaktivierung besser funktionieren?

Die Antwort ist schon harter Tobak, aber wer aufmerksam unsere aktuellen Krisen beobachtet hat, kann das gut nachvollziehen. Und hier möchte ich Marx zitieren, der es auch schon gut auf den Punkt gebracht hat:

Die herrschende Meinung ist die Meinung der Herrschenden.

Damit ist gemeint, dass es seit einigen Jahrtausenden Menschen gibt, die das Stückchen Nase voraus und damit mehr Verständnis über unsere Welt haben. Und damit die Deutungshoheit über Begriffe, mit denen wir unsere Wirklichkeit konstruieren. Ich hatte vor einiger Zeit das folgende Zitat, das aus dem 2. Jarhundert vor Christus vom Phönizier Sanchuniathon stammen soll, gefunden, und das deutlich macht, was auch heute noch gültig ist:

Seit unserer frühesten Jugend sind wir daran gewöhnt, verfälschte Berichte zu hören, und unser Geist ist seit Jahrhunderten so sehr mit Vorurteilen durchtränkt, dass er die fantastischsten Lügen wie einen Schatz hütet, so dass schließlich die Wahrheit als unglaubwürdig und die Lüge als wahr erscheint.

Was die Autoren sagen wollen ist, dass wir mit Begriffen falscher Deutungen prozessieren. So stolpern und straucheln unsere, die Wirklichkeit konstuierenden Gedanken mühsam vor sich hin, um uns ein Weltbild zu konstruieren, das nicht ganz stimmig ist.

Die Wissensaktivierung geht also an die Bedeutungswurzeln der wichtigsten Begriffe wie Wissen, Ethik, Sinn, Sprache und Mathematik (hier auch Raum und Zeit), um nur einige zu nennen. Sie räumt mächtig auf, bereinigt und baut neu auf. Dabei wird vorsichtig vorgegangen, denn wenn zu viele Steine unseres Gedankengebäudes ersetzt werden, könnte es einstürzen. Womit wir wieder zurück bei der Gefahr für Menschen mit weniger fortgeschrittenem Bewusstsein wären. Die Kernaussage möchte ich wie folgt nennen:

Alles, was wir heute zu wissen meinen, ist nichts anderes als eben eine Meinung, die schon morgen aufgrund neuer Erkenntnisse revidiert werden muss.

Das Buch ist von Philosophen geschrieben. Es hat aber eine Sprache gefunden, bei der mit ein wenig Vorbildung sehr gut gefolgt werden kann. Es sind kurze Kapitel, so dass Schritt für Schritt weitergelesen werden kann.

Es weckt jedenfalls deutlich Interesse auf mehr.

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Über Martin Bartonitz
Seit 21 Jahren beschäftigt mich das effiziente miteinander Arbeiten von Menschen. Zunehmend erkenne ich dabei die Vorteile des Kooperierens gegenüber dem des Konkurrierens und trete dafür ein. Sowohl auf der unternehmerischen als auch der gesellschaftlichen Ebene.

3 Responses to Wissensaktivierung – Neue Denkwege

  1. Dr. Andreas Zeuch says:

    Hi Martin,

    jetzt hast Du auch mich neugierig gemacht: Was ist denn die Antwort, die harter Tobak sei, die Antwort auf die Frage, warum das Denken nach der Wissensaktivierung besser funktionieren soll.

    Ich bin auch deshalb neugierig, weil ich als Pluralist und Freund transversaler Vernunft (es gibt heute nur noch viele Formen und Verfassungen von Rationalität und wir brauchen eine transversale Vernunft der Übergänge) nicht an DAS Wissen glaube…

    Herzlich
    Andreas

    • Hi Andreas,
      ich durchlaufe die Wissensaktivierung aktuell selbst. Es geht darum, die unzuträgliche, zu starke Kopplung von Emotionen an bestimmte Begriffe loszuwerden, ohne jedoch unberührt zu werden. Das Ergebnis ist eine größere Gelassenheit in schwierigen Situationen und ein besseres Einschätzen der aktuellen Perspektive Deines Gegenübers. Es geht um das Loslassen unserer alten Weltbilder, so dass die Offenheit für Neues gegeben ist. Es ist wie das Auswechseln des Betriebssystems zum schnelleren Denken, das nun ungehinderter durch die Entflechtung von Begriffen möglich ist.
      Ich hatte schon vor, Dir das Buch morgen mitzubringen 🙂
      Herzlich, Martin

      • Dr. Andreas Zeuch says:

        Hi Martin,

        ok, verstehe. Klingt danach, auf begrifflicher Ebene das zu machen, was methodisch durch Dialog gelebt wird. Bin gespannt.

        HGA

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