Wissensaktivierung – Ideologie oder ideologieneutralisierend? – Ein Angebot zum Gedankenaustausch


Betrifft: Literaturtipp Wissensakivierung 

Ein kleines Praxisbeispiel über die Entstehung und Gefahren von Halbwissen

Wie ich verblüfft feststelle, kursieren an meiner Uni neuerdings obskure Gerüchte zum Charakter bzw. Inhalt meines kürzlich veröffentlichten Buchs Wissensaktivierung – Neue Denkwege. Dass sich die Geister daran würden scheiden können, war mir durchaus bewusst, da es verhältnismäßig radikal, verständlichkeitsorientiert und nüchtern mit philosophischen Gegenständen umgeht und ihre primär emotionale Aufbereitung im Alltag und Uni-Leben entlarvt. Jedoch wird es trotz seiner Ideologien entlarvenden und neutralisierenden Denkangebote, sowie in Hinblick auf die angesprochene Wege, die eine zuträgliche, freie Sinngenerierung zu finden helfen sollen, als potentiell eine neue Ideologie begründen wollend besprochen. Den Umstand kann ich nach einer gewissen Recherche klar darauf zurückführen, dass diejenigen, denen es Gesprächsgegenstand ist, es einfach nicht geschafft haben, das Buch zur Gänze zu rezipieren (lesen), sondern sich bei ihren Diskussionen auf Auszüge aus Google Books usf. beziehen. Zwar ist es nicht allein auf eine philosophisch ausgebildete Leserschaft hin formuliert worden, sondern haben wir Autoren uns um erwähnt gut allgemeinverständliche Aufbereitung von philosophischen Themen bemüht, doch stellt es dennoch ein Beispiel anwendender Philosophie vor und sollte es wert sein, in Gänze gelesen zu werden, bevor das von Adorno besprochene „Halbwissen“, dass ebenfalls zu selten in seiner Gänze gelesen wird, zur Anwendung gelangt und als kritische Basis einer Bewertung herangezogen wird.

Natürlich muss unser Buch für eine philosophische Strömung unpopulär daherkommen, da es einen objektbefreiten Konstruktivismus als Lösung für dringliche kulturelle Problem- und Fragestellungen aufzeigt bzw. anbietet, doch misse ich momentan eine eigentlich der Philosophie und meiner neuen Disziplin eigene Offenheit und Diszipliniertheit in der Aufnahme und Besprechung. Unser Buch lässt sich einfach schon deswegen keiner bekannten Strömung zurechnen, weil es eine eigene und sehr Alltagsrealität zugewandte Position vermittelt und vertritt, die man bisher in den Reihen etablierter institutioneller Philosophien vermisst. Doch wer, aus anfangs genannten Runden, Philosophie als Mutter der heute betriebenen Psychologie als psychologisch unterbemittelt outet, um „der“ Psychologie eine Aufwertung zu geben, die deren Könner selbst so gar nicht suchen, der tut sich selbst nichts Gutes. Jedenfalls sind die Bewertungen bei Amazon genuin und sprechen eine dankenswert positive Sprache, mit Aussagen einer im Buch schon benannten Zielgruppe, die sich selbst keineswegs als elitär verorten würde.  Mein Rat an alle Disputanten ist, nicht ärmlich herüberzukommen, sondern erstmal (vollständig und gewissenhaft) zu lesen, was drin steht und mich dann auf die Inhalte anzusprechen, wofür ich in intelligentem Rahmen nämlich zu haben bin.

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Über Luca Pogoda
Kognitionswissenschaftler, Autor, Kampfkünstler, Freeclimber

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