Führung neu verstehen


Mark Poppenborg, Geschäftsführer der intrinsify!me GmbH, bietet in seinem Vortrag siehe unten ein neues Denkmodell zu Führung und Arbeit an. Sein Vortrag ist ein sehr guter Einstieg in die neue Welt zukünftiger Organisationen.

Sehr schön bereitet er die Hörer vor und stellt zuerst den Unterschied von komplizierten (PC / tot / kausal /auswertbar / steuerbar / optimierbar in Effizienz / durch Wissen beherrschbar) und  komplexen (kommunizierende Menschen / lebendig / vernetzt abhängig / unstrukturierte Zufälle /nicht steuerbar / Talent und Können benötigt) Systemen dar.

Mark erklärt dann, wie sich die Arbeit zu dem entwickelt hat, wie wir sie heute kennen. Bis zum 19. Jahrhundert gab es das Handwerk, in dem Denken und Handeln zusammen gehörte. Mir der Industrialisierung und durch Taylor wurde das Denken und Handeln entkoppelt. Massenfertigungen in Fabriken wurden in der Komplexität reduziert, so dass die Organisation wie eine Maschine wurden. Und damit war Management in Hierarchien geboren. Manager waren zum Denken da und Arbeiter zum Handeln. Letztere hatten das Gehirn zuhause zu lassen. Damit kann alles nur so intelligent sein, wie das Management. Alle uns bekannten Managementpraktiken sind in dieser Zeit entstanden und bisher nur optimiert worden.

Und weil aber nun heute die Firmen immer komplizierter und komplexer produzieren, kollabiert das alte Kontrollprinzip. Denn die Mitarbeiter nahe am Markt können nicht mehr lange auf Entscheidungen in den Hierarchie warten und lösen das Problem selbst. Es finden also Regelbrechungen statt. Und da diese irgendwann auffallen, werden weitere nachgezogen. Und zur weiteren Kontrolle werden laufend zusätzliche Compliance Manager eingestellt (siehe meinen zweitmeist gelesenen Artikel auf dem SAPERION Blog dazu).

Gelöst wird das Problem der zu langen Entscheidungswege durch die Verlagerung von Entscheidungen in eigenständige Teams, die wieder beides dürfen: denken und handeln.

Danach stellt Mark noch die beiden X- und Y-Menschenbilder dar (siehe Artikel).

Um dann abzuschließen mit der Feststellung:

Die Führung der Zukunft ist keine der Normen, Regeln und Wiederholungen sondern eine von Komplexität und Werten. Damit wird die Rolle des Führungskraft auch wieder weniger stressig. Denn er muss nicht mehr alles wissen. Er wird Werte vorleben und eher dir richtigen Fragen stellen.

Als Beispiele von auf dem Markt hervorragende platzierten Werten nennt er die von Apple und Harley Davidson.

Hier kommt Mark nun noch auf der Video-Spur, inspirierend und überzeugend, wie ich finden:

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Über Martin Bartonitz
Seit 21 Jahren beschäftigt mich das effiziente miteinander Arbeiten von Menschen. Zunehmend erkenne ich dabei die Vorteile des Kooperierens gegenüber dem des Konkurrierens und trete dafür ein. Sowohl auf der unternehmerischen als auch der gesellschaftlichen Ebene.

6 Responses to Führung neu verstehen

  1. Michael Schneider says:

    Bevor man sich mit „effizientem miteinander Arbeiten“ von Menschen beschäftigt, sollte man sich eigentlich zuerst einmal darum kümmern, dass der Kuchen, der aus menschlicher Arbeit entsteht, wenigstens einigermaßen gleichmäßig auf alle Menschen verteilt wird.

    Es muss aufhören, dass bei einer immer kleiner werdenden Zahl von Reichen sich ungeheure Reichtümer ansammeln, während beim Rest im Endeffekt nur Krümel aus diesem Kuchen übrig bleiben.

    Die beste Motivation für eine erfolgreiche Arbeit ist das Bewusstsein beim Arbeitenden, dass dem Wert seiner Arbeit ein gleichwertiger Geldwert gegenübersteht.

    • Hallo Michael,
      das Thema Gerechtigkeit habe ich gerade gesehen, kommt wieder auf die Fahne unserer Politiker. Zumindest hat heute Herr Steinbrück kund getan, dass das sein primäres Thema für den Wahlkampf ist. Da dürfen wir also gespannt sein, ob er das Verteilen des Kuchens wieder gerechter machen werden kann …
      Und ich sehe das auch so: wenn die Verhältnismäßigkeit der Entlohnung nicht gewährt ist, ist auch die Motivation dahin …
      Viele Grüße

  2. Vielen Dank für Deinen wertschätzenden Post, Martin. Hab mich sehr gefreut.

  3. Jan says:

    …mit dem Beispiel Apple in Bezug auf „Werte“ wäre ich vorsichtig, alleine was a) Produktionsbedingungen in China angeht sowie b) die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter in den Stores. Compliance in seiner reinsten Form. Zudem neigt Apple dazu, all jene mit Klagen zu überziehen, die sich nicht nach dem eigenen „Werte-Regelwerk“ orientieren. Auch ist „Charismatische Führung“ noch zu Zeiten Steve Jobs ist nicht unbedingt auf jedes Unternehmen xy übertragbar. Trotzdem schöner gedanklicher Ansatz.

  4. Ja, Apple ist tatsächlich ein kritisches Beispiel. Das ist mir bewusst. Aber es verdeutlich, wie sehr Menschen über die Werte-Kopplung Entscheidungen treffen, hier Kaufentscheidungen. Um Apple als Benchmark für Führung ging es mir gar nicht.

    Betrachtet man das ganze etwas emotionsloser, kommt man schnell zu dem Ergebnis, warum werteorientiertes Handeln so wichtig für moderne Führung ist:
    Entscheidungen werden immer in einem bestimmten Suchraum getroffen. Der Suchraum ist die Summe aller möglichen Entscheidungen. In der trägen bürokratischen Organisation schränkt das Zentrum diesen Suchraum durch Steuerung (Anweisung & Kontrolle, Anreize, etc.) ein. In der hohen Komplexität kollabiert Steuerung aber, wie dargestellt. Es braucht Selbstorganisation als Alternative. Was aber schränkt nun den Suchraum für Entscheidungen ein? Als Alternative dienen Werte und Sinn.
    Sie sind der neue Qualitätsfilter für Entscheidungen und sorgen in der dezentralisierten, selbstorganisierten Organisation für Ausrichtung. Deshalb sind sie so wichtig.
    In der Praxis bedeutet dies, entlang glasklarer Werte zu handeln und diese zu ritualisieren.
    Damit ist natürlich nicht der ganze Leitbild-Quatsch gemeint, den man oft beobachtet. Also nicht Werte postulieren und dann hoffen, dass nach ihnen gehandelt wird, sondern nach ihnen Handeln und hoffen, dass sie sich in der Kultur der Organisation etablieren.

    Guten Rutsch Euch allen.

    • Das ist jedenfalls ein schönes Thema für hier: Wie bringe ich Werte zum Leben?

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