Neue Führungskompetenz – Selbstwertbasiertes Führen in Unternehmen


Mathias Voelchert

Mathias Voelchert, Herausgeber des Buchs NEUE FÜHRUNGSKOMPETENZ: Selbstwertbasiertes Führen in Unternehmen von Martin Mourier hat uns als neuer Unterstützer erlaubt, sein Vorwort zum Buch hier zu veröffentlichen:

Vorwort zum Buch

Das Entscheidende in jedem Unternehmen sind die Menschen. Dieses Buch gibt Führungskräften und Managern das Rüstzeug an die Hand, um in unübersichtlichen Zeiten überlebenssichernde Entscheidungen für ihre Unternehmen zu treffen.

Es gibt Menschen, die an der Führung sind, und es gibt Menschen, die führen. Führungsmenschen haben eine Position, die mit Macht und Autorität ausgestattet ist. Aber Menschen, die wirklich führen, inspirieren uns! Solchen Führungspersönlichkeiten und Organisationen folgen wir nicht, weil wir müssen, sondern weil wir wollen. Wir folgen ihnen nicht um ihretwillen, sondern um unseretwillen. Dabei gibt es nicht den einen oder den besten Führungsstil für alle Situationen und alle Menschen. Gute Führung ist immer situativ und individuell. Das ist so in Familien, in denen sich die Familienmitglieder wohl fühlen, und das ist im Betrieb nicht anders. Menschen wollen sich wertvoll fühlen und wertvoll sein. Dafür zu sorgen, ist ein Merkmal neuer Führungskompetenz.

Wertschöpfung entsteht durch Wertschätzung. Mitarbeiter sind heute durch schlechte Führung viel schneller zu demotivieren als in Zeiten der traditionellen Industriegesellschaft. Wir haben heute in Unternehmen einen Reformbedarf, der historisch wohl nur mit dem Beginn der Industrialisierung verglichen werden kann. Wenn Unternehmensführungen es mittel- oder langfristig nicht schaffen, die berechtigten Forderungen der Menschen nach einer Vereinbarkeit von Familie und Beruf, nach persönlicher und fachlicher Entwicklung und nach echten Werten – um nur einige zu nennen – zu erfüllen, werden sie Schwierigkeiten mit einem Großteil ihrer Mitarbeiter bekommen.

Wir müssen unsere Unternehmen öffnen für das Individuelle und das Persönliche, weil das die Antriebskräfte für Kreativität und gemeinschaftlichen Erfolg sind. Der wissensgesteuerte Betrieb lebt von guten Beziehungen und von Fachleuten, die in der Lage sind, eine Führungskultur zu etablieren, die wachsendes Zutrauen in die fachlichen und sozialen Fähigkeiten jedes einzelnen zeigt. Daraus kann dann langsam gegenseitiges Vertrauen entstehen, der Schmierstoff für eine gute Atmosphäre im Unternehmen.

Wir reduzieren Führungsmenschen oft auf ihre fachlichen Qualitäten, die bei uns traditionell besonders gut entwickelt sind. Die fachliche Grundlagenausbildung ist beispielsweise bei Ingenieuren und auch bei Lehrern gut. Was dabei aber völlig außer Acht gelassen wird, ist der Ausbau von sozialen Kompetenzen, von Werte- und Beziehungskompetenz. Wofür stehe ich, was ist mit mir möglich, und was geht überhaupt nicht mit mir?

Warum dieses Buch? Fachleute gehen davon aus, dass jede dritte Führungsposition falsch besetzt ist. Das hat furchtbare Folgen für die Beteiligten: Schlechte Beispiele sind der Großteil unserer deutschen Schulen, aber auch unser Bankenwesen ist ins Gerede gekommen. Was bedeutet falsch besetzt? Ich bin der Ansicht, dass schon in der Auswahl zukünftiger Führungsmenschen oft der Wurm steckt. Die besten Fachkräfte sind nicht die besten Führungskräfte. Leider kommt es immer noch zu oft vor, dass Opportunisten, Machiavellisten, Narzissten und Menschen mit riesigen Egos statt wohlwollender Mitmenschlichkeit in Führungspositionen gelangen, weil sie ihren Durst nach Macht über das Wohl der Organisation und der Mitmenschen stellen durften. Was ist die Alternative? Ich schlage zwei Dinge vor: Zum einen sollte man die Bedeutung eines persönlichen übergeordneten Wertesystems in den Vordergrund rücken – als Leitlinie dafür, was ich als Mensch tun muss, um Führung zum Wohl aller Beteiligten zu übernehmen. Zum anderen sollte man Weiterbildung auf allen Ebenen etablieren, um insbesondere soziale Kompetenz und Wertekompetenz zu stärken und zu vereinen.

Wenn es ernst wird – das heißt in diesem Zusammenhang persönlich – ziehen sich die Teilnehmer von Seminaren oder Coachings oft mit Aussagen wie: „Das ist mir zu nah, damit habe ich nicht gerechnet, wozu soll das gut sein“, zurück. Sie spüren instinktiv, wenn sie jetzt weitermachen, können sie nicht mehr so bleiben wie sie waren, und dann stellt sich über kurz oder lang vieles in Frage. Diese Einschätzung der Situation stimmt bei vielen, und ich kann ihr Zögern sehr gut verstehen. Ich selbst stand immer wieder vor der Frage „weiter oder zurück?“. Ich habe es in 30 Jahren als selbstständiger Unternehmer nie bereut, immer weiter gegangen zu sein. War das leicht? Nein, aber es hat mich in meiner persönlichen und fachlichen Entwicklung voran gebracht.

Oft liegt dem Zögern auch eine fehlende Unterscheidung zugrunde. Wenn es persönlich wird, bedeutet das nicht, dass es privat wird. Ich kann mich persönlich äußern, indem ich beispielsweise klar sage, was ich will und was nicht. Und ich kann dabei trotzdem meine Privatsphäre schützen.

In meiner Seminarpraxis erlebe ich immer wieder, dass Frauen sich oft leichter tun, wenn es darum geht, sich selbst zu reflektieren oder über zwischenmenschliche Beziehungen zu sprechen. Das sind Fähigkeiten, die wesentliche Bestandteile einer neuen Führungskompetenz sind, und das ist ein Grund mehr, Frauen mit größerer Führungsverantwortung als bisher zu betrauen.

Der Grundstein zu sozialen Fähigkeiten und Wertekompetenzen wird in der Familie gelegt, und dem folgt ein lebenslanger Prozess, der immer wieder Zuspruch, Wegweisung und Stärkung braucht. Natürlich geht diese Entwicklung im Berufsleben weiter. Für persönliche Veränderung braucht man eine starke Antriebskraft und Mut.

Den größtmöglichen Gewinn an Erkenntnis wünscht Ihnen

Mathias Voelchert

u.a. Gründer und Leiter von familylab.de  – die familienwerkstatt in Deutschland

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Über Martin Bartonitz
Seit 21 Jahren beschäftigt mich das effiziente miteinander Arbeiten von Menschen. Zunehmend erkenne ich dabei die Vorteile des Kooperierens gegenüber dem des Konkurrierens und trete dafür ein. Sowohl auf der unternehmerischen als auch der gesellschaftlichen Ebene.

One Response to Neue Führungskompetenz – Selbstwertbasiertes Führen in Unternehmen

  1. Es sind immer Menschen, die handeln.
    Im Kontext ihres persönlichen Habitus.
    Die angesprochenen Form von Führung bedingt, dass insbesondere Menschen mit spezifischen Persönlichkeitsproblemen nicht so führen können. Ob sie nicht wollen – oder doch. Und das verlangt Konsequenzen. So im Sinne dessen, was heute für Unternehmen – die Organisation – Standard ist: Frühwarnsysteme. Damit angemessen eingegriffen wird, bevor es für Mitarbeiter und Unternehmen zu spät ist. Auch für den davon betroffenen Manager – auch wenn der es erst einmal nicht einsehen kann. Dann die Chance zu Reflexion hat – die er nutzt oder nicht.

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