Die Kraft der Unterschiedlichkeit – Visions Coaching


Kurz vor dem Start dieses Bogs hatte ich die Gelegenheit, mich von der Kraft der Unterschiedlichkeit überzeugen zu können, und hatte noch auf meinem Blog über die Großgruppenmethode gruppenbing berichtet (1, 2). Ähnlich wie in den Open Space Workshops (siehe die Artikelserie) wird das Wissen (Meinungen) der Teilnehmer zusammen getragen. Und da jeder Teilnehmer Unterschiedliches erfahren hat, kommen Aspekte aus den entsprechend unterschiedlichen Aspekten zusammen. Das besondere an diesen Methode ist, dass die Teilnehmer zunehmend aktiver werden, regelrecht von Energie durchflossen werden. Und am Ende stehen Lösungen und Strategien genauso wie Maßnahmenpläne, die kaum zu erahnen waren.

Nun habe ich von einer weiteren Methode erfahren, die im Gegensatz zu den kurzfristig ablaufenden, oben genannten Methoden, über einen längeren Zeitraum zum Einsatz kommt. Sie richtet sich primär an Einzelpersonen, kann aber auch für Teams genutzt werden. Ich hatte nun Gelegenheit, mit Jörg Brodersen  zu sprechen, der mich über das Vorgehen und den Nutzen der Methode Visions Coaching aufgeklärt hat.

Martin Bartonitz: Lieber Jörg, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, uns einen Einblick in das Visions Coaching zu geben. Du hattest mir erzählt, dass diese Methode seit Anfang des Milleniums von Thomas Heinle entwickelt wurde und auch ein Buch dazu geschrieben hat Finde deinen Job!: Erkennen Sie Ihre Stärken und handeln Sie! Mit Leidenschaft und Willenskraft zum Ziel). Kannst Du mir in wenigen Worten sagen, wer sich von Dir coachen lässt?

Jörg Brodersen: Gerne. Wie Ihr hier schon in vielen Artikeln zum Ausdruck gebracht habt, der größte Teil der Menschen in den Firmen hängt emotional fest. Oder besser: da ist erst gar kein Feuer (mehr?) unter Haube. Warum ist das so? Da ist zum einen ein Schulsystem anzuführen, in dem den Schülern die Begeisterung am Lernen genommen wird (siehe dazu hier). Aber auch in den Firmen geht es gleich weiter, denn Denken soll der Chef, Handeln der Mitarbeiter. 84% wenig bis gar nicht Motivierte sind ein großes Heer an potentiellen Teilnehmern an unseren Workshops.

Martin Bartonitz: Prof. Friethjof Bergmann sagt, dass diese Menschen das Arbeiten wie eine „milde Krankheit“ empfinden und am Mittwoch sagen, Gott sei Dank, in zwei Tagen ist Wochenende. Du sagtest, dass dennoch viele eine Ahnung haben, dass es etwas Anderes hinter dieser Krankheitsphase geben muss, sie nur nicht wissen, wie sei aus diesem Trott rauskommen?

Jörg Brodersen: Ja, genau hier können wir sie unterstützen. Diese Menschen, deren Leidensdruck so hoch ist, dass sie den starken Wunsch verspüren, nicht ein Leben lang nur abgehangen zu haben sondern wirklich etwas schaffen wollen, kommen zu uns. Oder auch solche, die schon eine vage Idee haben und nur noch nicht wissen, wie sie das umsetzen sollen. Oder einfach auch nur solche Menschen, die sich umorientieren müssen.

Martin Bartonitz: Nun habe ich auf Deiner Web-Site gesehen, dass Ihr von einem besonderen Social Network sprecht. Auf der einen Seite gibt es Workshops, in denen sich die Menschen kennen und schätzen lernen. Und auf der anderen Seite gibt es in der virtuellen Welt eine web 3.0 basierte Plattform namens creality.

Jörg Brodersen: Grundsätzlich arbeiten wir  in Workshops miteinander. Das hat den großen Vorteil, dass sich so das Selbstbild der Teilnehmer durch das Feedback der anderen schärft. Zudem tragen sich die Teilnehmer mit der Zeit gegenseitig, denn es kommt zu einem regen Geben und Nehmen von Lösungsansätzen. Das ist die reale Seite des Scoial Network. Die virtuelle Seite ist die im Internet. Wenn die Teilnehmer ihre Vision, Ziele und Wünsche genauso wie ihre Talente, Erfahrungen, Ressourcen und Kontakte eintragen, können sie sich mit vielen weiteren Menschen verbinden, die ihnen bei der Realisierung ihres Projektes hlefen könnten.

Martin Bartonitz: Ich habe gesehen, dass je nach Bedarf die Interessenten unterschiedlich lange dabei sind. In der Regel fangen sie mit dem Potential Check an. Nach diesem halbtägigen Workshop gibt es ein 360-Grad Profil, das u.a. in crealiity hinterlegt werden kann. Wer hier schon ein konkretes Projekt ausgemacht hat, geht in den Ideen-Workshop Quantopoly. Hier arbeitet er spielerisch sein Projekt weiter aus. Und erst dann kommt es zum längerwährendne Visions Coaching. Was genau passiert hier?

Jörg Brodersen: Jetzt wird es richtig spannend für die Teilnehmer. Wir erinnern uns: Diese Teilnehmer sind die von den Gallup-Studien als Abhänger bezeichneten Mitarbeiter in den Firmen. Sie hängen in mehreren Mustern fest:

  1. Sie hatten keine Vision, an die sie glauben konnten. Das ist mit den ersten beiden Workshops anders: die Vision und das Ziel ist greifbar.
  2. Sie besitzen ein Handlungsmuster, in dem ihnen die Verantwortung laufend von anderen Personen abgenommen wurden. Zuerst von den Eltern, dann von den Lehrer,n und zum Schluss von ihren Chefs. Diese Handlungsmuster müssen nun verändert werden. Es braucht Zeit, in die Selbstverantwortung zu kommen.
  3. Sie besitzen Weltbilder, Überzeugungen von anderen, die sie in ihre Handlungsmuster brachten. Auch diese Weltbilder umzubauen, braucht Zeit. Aber am Ende steht ein sich selbstorganisiernder, aktiver, selbstverantwortlicher Mensch, der seine eigene Realität geschaffen hat.

Martin Bartonitz: Diese drei Aspekte kommen mir sehr bekannt vor. Alan Deutschman spricht in seinem Management-Buch Change or Die: The Three Keys to Change at Work and in Life von relate (Glauben, Hoffnung), repeat (Wiederholung neuer Handlungen) und reframe (Denken in Weltbildern). Und ja, auch er sagt, das Verhaltensänderung nicht einfach befohlen werden können sondern nur in Kulturen des Vertrauens sich neu ausbilden können.

Jörg Brodersen: Danke Martin, für diese Steilvorlage: Vertrauen ist die Basis unserer Visions Coaching Workshops. Diese finden regelmäßig an bestimmten Tagen der Woche abends statt. D.h. die Tielnehmer treffen sich hier, um gemeinsam ihre Probleme vorzustellen. Hierbei geben sie persönliches von sich Preis. Und da die anderen Lösungsansätze einbringen, entsteht mir der Zeit eine Vertrauenskultur. Und das ist ein extrem fruchtbarer Boden. Und da hier mitunter genauso extrem unterschiedliche Menschen zusammen wirken, entstehen ebenso ungewöhnliche Lösungen. Nicht selten arbeiten diese Erfolgsteams auch später noch zusammen. Wenn es neue Ziele gibt, die umzusetzen sind.

Martin Bartonitz: Bleibt noch eine letzte Frage. Du hast sehr überzeugend dargestellt, wie ein Mensch sich auf die Reise machen kann, eine Beschäftigung zu finden, der er wirklich gerne nachgehen will. In der Regel wird er das Unternehmen verlassen wollen, so nehme ich an. Nun sagtest Du, dass das Visions Coaching auch in Unternehmen funktioniert. Aber da laufen dann die Mitarbeitern anschließend nicht weg?

Jörg Brodersen: Wenn das so wäre, würde ich keine Aufträge mehr erhalten! Nein, hier ist das Ziel, die vorhandenen Teams zu ihrer Vision, ihren Zielen zu führen und dabei zu unterstützen die neue Handlungsmuster der Mitarbeiter lebbar zu machen. Und darüber habt Ihr ja schon genügend geschreiben auf Initiative WirtschaftsDemokratie: Menschen, die den Sinn in dem sehen, woran sie arbeiten und sind emotional an das Unternehmen gekoppelt. Haben Freude bei der Arbeit, sind viel effektiver, und wollen sicher nicht gehen.

Martin Bartonitz: Vielen Dank Jörg, das war ein schönes Schlusswort, dem ich nicht mehr anfügen möchte.

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Über Martin Bartonitz
Seit 21 Jahren beschäftigt mich das effiziente miteinander Arbeiten von Menschen. Zunehmend erkenne ich dabei die Vorteile des Kooperierens gegenüber dem des Konkurrierens und trete dafür ein. Sowohl auf der unternehmerischen als auch der gesellschaftlichen Ebene.

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