Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 4


Selbstorganisierte Musterbildung im pflanzlichen Gewebe.  Creative Commons-Lizenz, Urheber: RobKohl

Selbstorganisierte Musterbildung im pflanzlichen Gewebe. Creative Commons-Lizenz, Urheber: RobKohl

Opening Space für Selbstorganisation

Open Space Technologie ist die Einfachheit an sich. Mit etwas weniger als 20 Minuten Einführung durch den Moderator sind Gruppen aller Größen in der Lage, ihre Agenda zu bilden und ihr Thema in Angriff zu nehmen. Nach anderthalb Stunden haben sich Arbeitsgruppen gebildet, um die wichtigen, durch sie identifizierten Subthemen zu erkunden und zu diskutieren. Im Verlauf des Open Space (normalerweise ein bis zwei Tage) treffen sich die Gruppen zu selbst gewählten Zeiten an selbst gewählten Orten. Wenn jede Gruppe ihre Arbeit abgeschlossen hat, werden Arbeitsberichte geschrieben und an alle Teilnehmer verteilt. Der Moderator, der die Veranstaltung eröffnete, ist praktisch unsichtbar und bietet keinerlei Richtung oder Intervention während des Prozesses an. Einige Moderatoren, wie ich selbst, sind dafür bekannt, zwischendurch ein Nickerchen zu machen. Kurzum: Die Teilnehmer erledigen alles selbst.

Aus der Perspektive konventionellen Wissens über Gruppenprozesse und der Organisation von Meetings ist die Erfahrung mit Open Space ein Rätsel. Eigentlich dürfte es nicht funktionieren. Jeder weiß, dass man nicht 2000 Leute eigenverantwortlich ohne Agenda alleine lassen kann, ohne dass etwas anderes als riesige Verwirrung entsteht. Trotzdem haben tausende von unterschiedlichsten Gruppen in den letzten 20 Jahren das Unmögliche möglich gemacht. Wiederum die Frage: Was geht hier vor?

Die einzig plausible Erklärung ist: Mehr von diesem Beitrag lesen

Wissensaktivierung – Ideologie oder ideologieneutralisierend? – Ein Angebot zum Gedankenaustausch


Betrifft: Literaturtipp Wissensakivierung 

Ein kleines Praxisbeispiel über die Entstehung und Gefahren von Halbwissen

Wie ich verblüfft feststelle, kursieren an meiner Uni neuerdings obskure Gerüchte zum Charakter bzw. Inhalt meines kürzlich veröffentlichten Buchs Wissensaktivierung – Neue Denkwege. Dass sich die Geister daran würden scheiden können, war mir durchaus bewusst, da es verhältnismäßig radikal, verständlichkeitsorientiert und nüchtern mit philosophischen Gegenständen umgeht und ihre primär emotionale Aufbereitung im Alltag und Uni-Leben entlarvt. Jedoch wird es trotz seiner Ideologien entlarvenden und neutralisierenden Denkangebote, sowie in Hinblick auf die angesprochene Wege, die eine zuträgliche, freie Sinngenerierung zu finden helfen sollen, als potentiell eine neue Ideologie begründen wollend besprochen. Den Umstand kann ich nach einer gewissen Recherche klar darauf zurückführen, dass diejenigen, denen es Gesprächsgegenstand ist, es einfach nicht geschafft haben, das Buch zur Gänze zu rezipieren (lesen), sondern sich bei ihren Diskussionen auf Auszüge aus Google Books usf. beziehen. Zwar ist es nicht allein auf eine philosophisch ausgebildete Leserschaft hin formuliert worden, sondern haben wir Autoren uns um erwähnt gut allgemeinverständliche Aufbereitung von philosophischen Themen bemüht, doch stellt es dennoch ein Beispiel anwendender Philosophie vor und sollte es wert sein, in Mehr von diesem Beitrag lesen

Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 3


„Revolutionäres“ Lernen

ist eine Anlehnung an Thomas Kuhns Ausdruck „wissenschaftlicher Revolution“, die sich auf die Momente bezieht, in denen wissenschaftliche Paradigmen durch radikal neue Einsichten in das Weltverständnis geändert werden (Kuhn 1973). Ich entschied mich „Wissenschaft“ in „Lernen“ zu ändern, um klarzumachen, dass wir nicht über die besonderen Leistungen von Spitzenwissenschaftlern reden, sondern über die tiefen Lernerfahrungen verschiedenster Leute, die beginnen, ihre Welt auf eine neue und effektivere Weise zu sehen. Aus der Vielzahl der Meinungen und Lebenserfahrungen, die oftmals – manchmal auch gewalttätig – konfligieren, entstehen neue Herangehensweisen und Einsichten – Wissen in seiner praktikabelsten Form.

„Revolutionäres“ Spiel

bezeichnet die Art, in der die Teilnehmer an ihre Aufgabe herangehen – spielerisch. Häufig wird Spielen im Vergleich zum wirklichen Leben als triviales Ereignis gesehen. Ich halte dies für einen tiefgreifenden Irrtum. Spiel ist für mich die ernsthafteste und wichtigste unserer vielen Beschäftigungen. Die Wichtigkeit des Spiels entsteht durch die Tatsache, dass wir auf verschiedene und überraschende Weisen erlebte Wirklichkeit zu verstehen versuchen und Wissen über diese neuen Erfahrungen entwickeln. Wir tun dies, indem wir glaubhafte Geschichten erzählen oder formaler ausgedrückt, Theorien entwickeln. Wir nehmen die greifbaren Beweise, kombinieren sie mit unserer gemachten Erfahrung und versuchen, begründete Erklärungen für die beobachteten Phänomene zu konstruieren. Meistens scheitern unsere ersten Versuche und es ist oft der Fall, dass es genauso viele Mehr von diesem Beitrag lesen

Ubuntu – So arbeiten Ihre Teams entspannt und effektiv zusammen


Wir sind der Meinung, dass auf lange Sicht gesehen Afrikas Beitrag für die Welt aus dem Bereich der menschlichen Beziehungen stammen wird. Die großen Weltmächte haben vielleicht Wunder darin vollbracht, der Welt ein industrielles und militärisches Antlitz zu verleihen, aber das große Geschenk wird aus Afrika kommen –
Der Welt ein menschlicheres Gesicht zu geben.

Steve Biko 1970
Politischer Aktivist, der wegen seiner Überzeugungen sterben musste.

So beginnt das Buch Ubuntu – So arbeiten Ihre Teams entspannt und effektiv zusammen der Bestseller-Autoren Stephen Lundin und Bob Nelson.

Das Buch bringt in Romanschreibe eine äußerst zuträgliche Führungskultur rüber. Es geht um nicht mehr, als das Gefühl der Erfüllung beim Arbeiten. Und was aber die Unternehmensführung mehr freuen wird: diese Kultur führt zudem zur Steigerung der Produktivität.

Was ist Ubuntu?

Die afrikanische Lebensphilosophie mit dem süd-afrikanischen Zulu-Wort Ubuntu lässt sich in dem folgenden Satz kurz beschreiben:

mir geht es nur gut, wenn es Allen gut geht, denn ich bin ein Teil von ihnen

Viele afrikanische Menschen sind mit dieser Denkweise aufgewachsen und sie ist für sie wie das Atmen. Etwas detaillierter beschreiben es die Autoren über die Stimme eines der Protagonisten so: Mehr von diesem Beitrag lesen

Open(ing) Space für Nichtwissen – Teil 2


„Opening Space für die Frage: Vorbereitung des Wissensfeldes

Credit: NASA/GSFC/Debbie McCallum

Credit: NASA/GSFC/Debbie McCallum

In den letzten 20 Jahren nahm ich an dem großartigen, natürlichen Experiment mit Open Space Technologie teil. Es kann, wie ich glaube, einiges nutzbringendes Licht auf das Thema der „Vorbereitung und Erhaltung des Wissensfeldes“ werfen.

Open Space Technologie ist eine ausgesprochen simple Methode, die es kleinen und großen Gruppen ermöglicht, mit komplexen und konflikthaften Themen in überraschend kurzer Zeit konstruktiv umzugehen. Während des Ablaufs wird unweigerlich klar, dass neues Wissen über und neue Herangehensweisen an alte und neue Probleme entwickelt werden – in Ergänzung zu vielfältigen anderen positiven Ergebnissen. Aber es ist die Wissenserzeugung, die Open Space für diese Diskussion relevant macht.

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Der Schwarze Schwan. Konsequenzen aus der Krise.


Liebe Leserin, lieber Leser!

Taleb 2010 - Der schwarze Schwan_kleinHeute habe ich meine neue Buchrezension veröffentlicht. Diesmal empfehle ich: „Der Schwarze Schwan. Konsequenzen aus der Krise“ von Nassim Nicholas Taleb. Es ist das leicht verdauliche Folgebändchen zu Talebs gleichnamigen Weltbestseller. Taleb fokussiert in diesem Buch auf praktische Anwendungsmöglichkeiten seiner theoretischen Erkenntnisse.

Es ist ein Buch vor allem für Unternehmer, Geschäftsführer, CEOs, CFOs und Politiker, die einen erfolgreicheren Umgang mit der Zukunft anstreben. Soviel kann ich schon hier verraten.

Herzliche Grüße

Andreas

Open(ing) Space für Nichtwissen – Intro & Teil 1


Liebe Leserinnen und Leser, liebe WirtschaftsDemokratInnen!

HO

Harrison Owen, Erfinder und Entwickler der Großgruppenmethode „Open Space“

Vor mittlerweile 5 Jahren veröffentlichte ich meinen Herausgeberband „Management von Nichtwissen in Unternehmen„. In dem Buch finden sich neben grundlegenden Artikeln zu Fragen und Herausforderungen des Umgangs mit zunehmender Unsicherheit durch Nichtwissen, Interviews mit Unternehmern wie Götz Werner auch Methodenartikel. Und zwar nicht  als die 27. Beschreibung einer schon lange bekannten Methode, sondern durch die Brille „Nichtwissen“ betrachtet. Dabei stellt sich heraus, dass eben jenes Nichtwissen, das viele automatisch mit Ohnmacht und Inkompetenz gleichsetzen, gerade den wertvollen Kern verschiedener (Groß-)Gruppenmethoden ausmacht. So wird Nichtwissen vom Problem zur Ressource!

Mir gelang es damals, Harrison Owen für mein Buch zu gewinnen. Er, der Erfinder und Grand Seigneur des Open Space, war schnell im Boot und hat einen schönen Artikel über seine Methode geschrieben. In den nächsten Tagen werden wir hier auf den Seiten der Initiative Wirtschaftsdemokratie unter der Rubrik „Methoden“ seinen Artikel in leicht verdaulichen Portionen wiedergeben – werktags täglich frisch.

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Human Ressources: Nutzt du noch oder entfaltest du schon?


Im Zweifelsfall fällt man in schwierigen Situationen immer auf das Bewährte zurück. Und das Bewährte ist […] das, was wir als Ressourcennutzungskultur entwickelt haben.
(Gerald Hüther in: Human Ressources Manager 05/2011)

Let Your Imagination Take Flight by Igor Morski
Das Gehirn zu nutzen, ist eine Sache. Seine Potenziale zu entfalten, eine ganz andere. Oftmals sind unsere Arbeitsplätze, ja unser ganzes Leben, so organisiert, dass die Nutzung der offensichtlichen Potenziale im Vordergrund steht. Die Entfaltung neuer Potenziale, die Innovation, Kreativität und Begeisterung können dabei verloren gehen. Im Job ist es neben den „Werkzeugen“ vor allem die Wertschätzung, die Mitarbeitern entgegen gebracht wird und sie dazu befähigt, die Potenziale ihrer Gehirne zu entfalten. Die zwei wesentlichen Voraussetzung für solch eine Wertschätzung sind laut Gerald Hüther das Übertragen wirklicher Verantwortung und das Vermitteln von Zugehörigkeit. Soweit das implizit noch nicht inbegriffen ist, würde ich noch hinzufügen: respektvolle Kommunikation.

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Wissensaktivierung – Neue Denkwege


Armin Rütten

Armin Rütten

Wer das gerade frisch veröffentlichte Wissensaktivierung – Neue Denkwege von Armin Rütten und Luca Pogoda liest, darf sich darauf gefasst machen, dass an den Grundfesten so manchen Glaubenssatzes gerüttelt wird.

Die Autoren zeigen auf überschaubar vielen, aber äußerst inspirierenden Seiten auf, was am Ende einer Wissensaktivierung steht und was unterwegs bearbeitet wird: Das Denken wird schneller. Man wird gelassener. Damit „natürlich“ charismatischer. Man versteht die Gedankenwelt des Gegenübers besser. Und weil das so ist, wird man erfolgreicher in seinem Handeln.

Aber! Und hier wird es wirklich knifflig. Diese Wissensaktivierung setzt ein gewisses Bewusstsein voraus. Und damit ist die Wissensaktivierung nur noch für einen kleineren Kreis „ungefährlich“.

Luca Pogoda

Luca Pogoda

Entgegen der heute herrschenden Meinung sind wir Menschen nicht gleich, so die Autoren. Und sie erklären das auch sehr nachvollziehbar. Einerseits haben wir während unserer Entwicklung unterschiedliche Talente zu unterschielichen Zeiten ausgebildet (auf die leider in unserer Schule nicht eingegangen wird, sprich es wir meist das falsche gefördet). Andereseits machen wir unterschiedliche Erfahrungen in den jeweiligen Kulturen. Zudem gibt es unterschiedliche Bewusstseinsstufen. Es gibt Menschen, die wünschen sich in ihrer Unsicherheit Führung. Andere sind dogmatisch festgelegt. Wieder andere sind frei, sich jederzeit Neuem zuwenden zu können.

Die Wissensaktivierung sei etwas für Letztere. Wer also Dogmen anhängt, der wird kaum Mehr von diesem Beitrag lesen

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