Was ergibt 3 Weihnachtsmänner plus 4 Osterhasen?


Jetzt scheine ich wohl komplett verrückt geworden zu sein, denken Sie vielleicht. Mag sein. Was heißt schon verrückt? Egal, das möchte ich nicht weiter vertiefen. Ich möchte in diesem Post das Thema Paradoxien beleuchten und wie wir Menschen mit diesen umgehen. Ergebnisse dieser Gedankengänge möchte ich dann auf das Führen von Unternehmen reflektieren.

Um Sie schon einmal ein bisschen auf die Folter zu spannen formuliere ich folgende These.

Wer an die Kennzahl Umsatz glaubt, sollte auch die im Titel dieses Posts gestellte Aufgabe lösen können.

Was ist eigentlich ein Paradoxon?

In Wikipedia finde ich

Ein Paradoxon ist ein scheinbar oder tatsächlich unauflösbarer Widerspruch.

In der Definition wird von Widerspruch geschrieben. Aber Widerspruch zwischen was? Das möchte ich einmal näher durchleuchten.

Aus meiner Sicht geht es hier um den Widerspruch zwischen dem was wir aus der Umwelt wahrnehmen und dem wie wir darüber denken und reflektieren. Wenn es also einen Widerspruch zwischen diesen beiden Dingen gibt, stehen uns mehrere Möglichkeiten des Auflösens dieses Widerspruchs parat.

  1. Das was wir von der Umwelt wahrnehmen ist „falsch“ und wir denken „richtig“ darüber.
  2. Das was wir von der Umwelt wahrnehmen ist „richtig“ und wir denken „falsch“ darüber.

Die anderen beiden Möglichkeiten, dass nämlich Beides richtig oder Beides falsch sein kann, ergeben Übereinstimmungen, so dass wir nicht auf ein Widerspruch stoßen. Ich habe an dieser Stelle die Wörter „richtig“ und „falsch“ nicht ohne Grund in Anführungszeichen gesetzt. Ich möchte an dieser Stelle nicht auf die absolute Wahrheit abzielen und die beiden Wörter entsprechend verstanden wissen. Mir geht es an dieser Stelle einzig und allein um das Aufdecken der Unterschiede, unbenommen eines Wahrheitsanspruches der Wahrnehmung oder des Denkens.

Denn die Frage bleibt offen, ob wir das „richtig“ und „falsch“ überhaupt bewerten können. Ich sage hier nein, was ich aber in diesem Post nicht weiter durch deklinieren möchte. Hier verweise ich gerne auf einen anderen Post aus meinem Logbuch: Lässt sich über Wahrheit wahr sprechen?

Das bedeutet eben auch, dass bzgl. der beiden betroffenen Einteilungen nicht objektiv darüber geurteilt werden kann, ob entweder die Wahrnehmung oder das Denken richtig oder falsch ist. Beide Prozesse bedingen nämlich einander. Wie gesagt, es geht mir rein über den empfundenen Unterschied der Ergebnisse beider Prozesse.

Des Weiteren ist mir auch bewusst, dass „falsch“ mehreren Werten zugeordnet werden kann und nicht genau einem. Wenn eine Person mich mit dem Namen „Anton“ und eine andere Person mit dem Namen „Alfred“ anredet ist Beides falsch. Auf diese Unterscheidung möchte ich aber ebenfalls verzichten, da sie für eine Herleitung von Erkenntnissen für das Führen von Unternehmen uninteressant ist. Ich mache also eine bewusste Trivialisierung.

Wie gehen wir Menschen mit Paradoxien um?

Hier möchte ich auf die beiden oben gezeichneten Unterscheidungen zurück greifen. In der Regel werden Unterschiede der ersten Kategorie nicht als Paradoxon bezeichnen. Den Widerspruch lösen wir hier ganz einfach auf, in dem wir unserem Wahrnehmungsapparat einige Fehler zugestehen. Im Netz gibt es eine Reihe hervorragender Beispiele dazu. Wir sprechen hier oft von optischen Täuschungen. Unser Gehirn überlistet uns. Das lassen wir einfach so stehen und fühlen uns nicht in unserer Ehre gekränkt. Was können wir denn dafür wenn wir physiologisch eben so ausgestattet wurden? Diese Kategorie fällt also nicht unter ein Paradoxon. Wir leben mit dem Widerspruch und gut.

Was ist aber mit der zweiten Kategorie? Hier wird es heikel, denn zuzugestehen, dass wir im Denkprozess einen Fehler machen, geht uns eben nicht so leicht ab. Denn wir nehmen viel eher an, dass die Basis unserer Denkprozesse etwas ist, was wir Menschen erschaffen haben (Axiome, Regeln etc.) Hier können wir die Verantwortung also nicht so leicht abstreifen. Diese Kategorie ordnen wir den Paradoxien zu und versuchen diesen Widerspruch zu lösen.

Das möchte ich an einem Beispiel näher ausführen, da es uns näher an Erkenntnisse für das Führen von Unternehmen bringt. Es geht um das Paradoxon Achilles und die Schildkröte. Ich zitiere aus dieser Quelle.

Als Paradoxon von Achilles und der Schildkröte wird einer von mehreren bekannten Trugschlüssen bezeichnet, die dem antiken griechischen Philosophen Zenon von Elea zugeschrieben werden. Darin wird versucht zu belegen, dass ein schneller Läufer wie Achilles bei einem Wettrennen eine Schildkröte niemals einholen könne, wenn er ihr einen Vorsprung gewähre. Der Gang des Arguments ist folgender: Bevor Achilles die Schildkröte überholen kann, muss er zuerst ihren Vorsprung einholen. In der Zeit, die er dafür benötigt, hat die Schildkröte aber einen neuen, wenn auch kleineren Vorsprung gewonnen, den Achilles ebenfalls erst einholen muss. Ist ihm auch das gelungen, hat die Schildkröte wiederum einen – noch kleineren – Wegvorsprung gewonnen, und so weiter. Der Vorsprung, den die Schildkröte hat, werde zwar immer kleiner, bleibe aber dennoch immer ein Vorsprung, sodass sich der schnellere Läufer der Schildkröte zwar immer weiter nähert, sie aber niemals einholen und somit auch nicht überholen könne.

Natürlich ist uns Allen bewusst, dass Achilles die Schildkröte nach einer gewissen Zeit stets einholt, ganz egal wie groß der Vorsprung der Schildkröte auch sein mag. Das lässt sich empirisch immer belegen. Wie kommt es aber, dass die mathematisch-logischen Erklärungen Zenons, wie oben im Zitat angeführt, mit unseren Wahrnehmungen nicht vereinbar ist? Denn laut der mathematisch-logischen Erklärungen würde Achilles die Schildkröte niemals einholen.

Beide Sichtweisen stehen an dieser Stelle unvereinbar gegenüber, auch wenn uns dass die vielen Auflösungsversuche dieses Paradoxons anders glaubhaft machen wollen. In jedem Auflösungsversuch wird aber die empirisch-physikalisch Sichtweise, nämlich durch Einführen der Geschwindigkeit, einfach der mathematisch-logischen Sichtweise übergestülpt, ohne zu merken, dass hier ein logischer Denkfehler geschieht. Warum ist das so?

Durch Einführen der Geschwindigkeit, als Verhältnis von zurückgelegtem Weg und der dafür benötigten Zeit, wird ein Kategorienfehler begangen. Jedes Kind spätestens ab der ersten Klasse in der Schule weiß, dass man nur Dinge mit gleichen Eigenschaften miteinander addieren oder voneinander subtrahieren kann. Würde ich meinem Sohn, der erst in diesem Sommer in die Schule kommt, die Aufgabe stellen: „Was ergibt 3 Weihnachtsmänner plus 4 Osterhasen“, würde er mich wahrscheinlich sehr schmal angucken oder mich auslachen. Logisch. Was würden Sie sagen, wenn ich Ihnen die Aufgabe stelle: „Addieren Sie bitte 10 Meter und 20 Sekunden.“ Lachen Sie dann auch? Wahrscheinlich. Aber wieso bitteschön lachen wir denn nicht auch bei der Aufgabe „10 Meter durch 20 Sekunden“? Hier rechnen wir einfach drauf los und geben dem Ergebnis einfach eine neue Maßeinheit, nämlich Geschwindigkeit.

Aus der Schule wissen wir aber auch, dass sich Division bzw. Multiplikation zweier Zahlen stets auf den Prozess einer Addition bzw. den Prozess einer Subtraktion zurückführen lässt. Also wenn wir Meter und Sekunden ins Verhältnis setzen, dann sollten wir auch Meter und Sekunden miteinander addieren oder subtrahieren. Verwerfen wir das Zweite, was wir ja tun, sollten wir auch das Erste verwerfen.

Richtigerweise sollten wir an dieser Stelle bei unseren Denkprozessen ansetzen, die auf die zweiwertige Logik von Aristoteles aufgebaut sind. Unser Denken ist monothematisch. In dieser Denkweise herrscht das Entweder-Oder vor. Entweder Etwas ist gut oder böse. Entweder Etwas ist schön oder hässlich. Ein Drittes kann es rein logisch nicht geben. Dementsprechend können wir logisch nicht mit Qualitäten, sonder nur mit Quantitäten umgehen. Details können Sie gerne in meinem Post Behindert unser unzureichendes Zahlenverständnis unser Problemlösen?

Dabei werden aber eben genau diese Kategorienfehler vorgenommen, die oben beschrieben wurden. Dinge unterschiedlicher Eigenschaften, beim Beispiel des Paradoxons Weg und Zeit, werden einfach und trivial vereinheitlicht. Trivial sage ich deshalb, da auf die Qualitäten keine Rücksicht genommen wird.

Wer also mit der physikalischen Größe „Geschwindigkeit“ umgeht, sollte sich Gedanken machen wie das Ergebnis der Aufgabe 3 Weihnachtsmänner plus 4 Osterhasen ausschaut und welche Einheit wir dem Ergebnis geben. Wer das nicht möchte, der sollte sich über eine Erweiterung der Logik von einer monothematischen zu einer polythematischen Gedanken machen, wie es Gotthard Günther mit dem Einführen der Polykontexturalität getan hat. Auf diesem Trip bin ich seit geraumer Zeit unterwegs.

Welche Auswirkungen hat das für das Führen von Unternehmen? 

Ganz kurz gesagt. Ein Überdenken der Kennzahlen und KPIs (Key Performance Indicators). Denn auch beim Berechnen der Kennzahlen werden häufig Kategorienfehler gemacht. Denken Sie nur an die Kennzahl „Umsatz“. Hat man den zweiten Teil dieses Posts verinnerlicht, ist einem klar dass man nicht einfach Menge und Preis multiplizieren kann. Wer trotz allem an die Kennzahl Umsatz denkt und damit arbeitet, sollte mir gerne erklären, warum er bei der Aufgabe “Menge+Preis” meint, dass man diese Aufgabe nicht lösen könne.

Wie hat eine meiner Weggefährtinnen auf meiner Reise des Verstehens vor ein paar Tagen zu mir gesagt? „Conny, weißt Du was, Kennzahlen machen die Menschen krank.“ Recht hat sie. Weil wir mit den Kennzahlen die Menschen trivialisieren. Wollen wir das weiterhin tun?

Ein konsequentes Weiterdenken in Richtung einer menschlichen Wirtschaft, weg vom “Höher-Schneller-Weiter”, macht auch ein Überdenken der Kennzahlen unumgänglich. Nur mit einer Weiterführung der Zahlen in Richtung von qualitativen Zahlen und der dazugehörigen Arithmetik, wie oben bereits angedeutet, lassen sich Qualitäten ohne Begehen von Kategorienfehlern darstellen. Nur davon sind wir derzeit noch sehr weit entfernt, obwohl Gotthard Günther hier bereits sehr viel Vorarbeit geleistet hat.

Über Conny Dethloff
Conny privat 2Diplom-Mathematiker und in der Wirtschaft tätig seit 1999. Berater und Manager mit Fokussierung auf die Themenbereiche Information Management und Change Management. Autor der beiden Bücher The Race – Change Management mit dem ChangeModeler und Von einem der auszog die Wirtschaft zu verstehen: Auszüge aus dem Logbuch der Reise sowie seines Logbuchs der Reise des Verstehens.

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Modeler Camp 2013 in Berlin: Lassen Sie uns dort treffen und diskutieren


Ich wurde von den beiden Geschäftsführern der Consideo GmbH in Lübeck gebeten auf dem diesjährigen Modeler Camp am 6. Mai in Berlin einen Vortrag zum Thema Komplexität und Vernetztes Denken zu halten. Dieser Bitte werde ich sehr gerne nachkommen. Details zu der Veranstaltung finden Sie hier.

Ich möchte in diesem Post einen kurzen Abriss meines Vortrages geben. Vielleicht haben Sie ja Interesse und wir sehen uns auf dem Camp und können dann darüber und über viele andere Themengebiete diskutieren.

Wie gesagt werde ich in meinem Vortrag den Begriff Komplexität auf die Wirtschaft reflektieren. Sehr oft höre ich, dass Unternehmenslenker die Herausforderung haben mit der wachsenden Komplexität umzugehen. Diese These möchte ich in meinem Vortrag konkretisieren.

Ich werde den Begriff Komplexität definieren und dabei auf die Entwicklung der Wirtschaft vom Handwerkzeitalter bis in das Netzwerkzeitalter spiegeln. Basierend auf diesen Erkenntnissen möchte ich dann mit den Zuhörern einen “Deep-Dive” in die Interaktionen von Unternehmen mit dem Markt vollziehen und dabei konkrete Beispiele aus der Praxis anbringen, die den Begriff Komplexität verdeutlichen. Dabei werde ich Komplexität in verschiedene Facetten zerlegen, beispielsweise in Eigen- und Fremdkomplexität oder in bezahlte und nicht bezahlte Komplexität. Damit, so bin ich mir sicher, habe ich die Basis gelegt, um die Methode des Vernetzten Denkens als gewinnbringende Methode zur Handhabung der Komplexität in Unternehmen vorzustellen und Anwendungsgebiete zu formulieren.

Ich freue mich Sie auf dem Camp zu treffen.

Über Conny Dethloff
Conny privat 2Diplom-Mathematiker und in der Wirtschaft tätig seit 1999. Berater und Manager mit Fokussierung auf die Themenbereiche Information Management und Change Management. Autor der beiden Bücher The Race – Change Management mit dem ChangeModeler und Von einem der auszog die Wirtschaft zu verstehen: Auszüge aus dem Logbuch der Reise sowie seines Logbuchs der Reise des Verstehens.

Die Menschheit und der Bleistift


1958 hat der Autor Leonard Read sein Essay „I, Pencil“ in der Zeitschrift The Freeman veröffentlicht. Dieses Essay schafft es auf wenigen Seiten die Großartigkeit und den Schaffensdrang der Menschen darzustellen, wenn sie freiwillig handeln dürfen. Auf Basis dieser Schrift wurde letztes Jahr ein großartiges Video erstellt, welches es seit Anfang diesen Jahres auch auf deutsch gibt. Es sind knapp 7 Minuten, die einem erneut bewusst machen können, wie komplex unsere Welt und die Beziehungen unter seinen Bewohnern sind. Anhand eines alltäglichen Gebrauchsgegenstandes, dem Bleistift, zeigt dieses Video, dass direkt und indirekt unzählige Menschen auf der ganzen Erde an seinem Erschaffen beteiligt sind. Und dieses kleine Wunderwerk entsteht ohne zentrale Planung einer Person, eines Unternehmens oder eines Staates: es ist Ergebnis der natürlichen Ordnung.  Mehr von diesem Beitrag lesen

Wissensaktivierung – Ideologie oder ideologieneutralisierend? – Ein Angebot zum Gedankenaustausch


Betrifft: Literaturtipp Wissensakivierung 

Ein kleines Praxisbeispiel über die Entstehung und Gefahren von Halbwissen

Wie ich verblüfft feststelle, kursieren an meiner Uni neuerdings obskure Gerüchte zum Charakter bzw. Inhalt meines kürzlich veröffentlichten Buchs Wissensaktivierung – Neue Denkwege. Dass sich die Geister daran würden scheiden können, war mir durchaus bewusst, da es verhältnismäßig radikal, verständlichkeitsorientiert und nüchtern mit philosophischen Gegenständen umgeht und ihre primär emotionale Aufbereitung im Alltag und Uni-Leben entlarvt. Jedoch wird es trotz seiner Ideologien entlarvenden und neutralisierenden Denkangebote, sowie in Hinblick auf die angesprochene Wege, die eine zuträgliche, freie Sinngenerierung zu finden helfen sollen, als potentiell eine neue Ideologie begründen wollend besprochen. Den Umstand kann ich nach einer gewissen Recherche klar darauf zurückführen, dass diejenigen, denen es Gesprächsgegenstand ist, es einfach nicht geschafft haben, das Buch zur Gänze zu rezipieren (lesen), sondern sich bei ihren Diskussionen auf Auszüge aus Google Books usf. beziehen. Zwar ist es nicht allein auf eine philosophisch ausgebildete Leserschaft hin formuliert worden, sondern haben wir Autoren uns um erwähnt gut allgemeinverständliche Aufbereitung von philosophischen Themen bemüht, doch stellt es dennoch ein Beispiel anwendender Philosophie vor und sollte es wert sein, in Mehr von diesem Beitrag lesen

Vernetztes Denken & Wahrnehmen ist doch möglich. Eine Replik auf Conny Dethloffs Teilabsage an vernetztes Denken.


Hi Conny,

danke für den tollen Artikel „Vernetztes Denken ist (noch) eine Illusion“! Du sprichst ein wichtiges Thema an. Hier meine kleine Replik dazu:

  1. Ja, es stimmt, dass wir im Allgemeinen unterscheiden müssen, um wahrnehmen zu können. Es gibt aber Beispiele, wie wir zumindest kurzfristig wesentlich vernetzter wahrnehmen können als normalerweise: Defokusiertes Sehen sowohl im Kampfsport, beim Jonglieren als auch im Speed-/Power- oder sonst was Reading. Ich kenne die Anwendung sowohl aus dem Kampfsport als auch aus dem Speedreading. Wenn es mir im (Frei-)Kampf gelingt, meinen Gegner defokussiert zu betrachten, sehe ich seine GANZE Gestalt, nicht nur seine linke Faust – was der typische Anfängerfehler ist: Das meiste ausblenden und auf ein Körperteil fokussieren. Das Ergebnis dieser Komplexitätsreduktion: Niederlage. Im Ernstfall: Einen oder mehrere Treffer eingesteckt…
  2. Ich glaube desweiteren, dass wir sehr wohl vernetzt denken können – aber kaum im Alltag, sondern in besonderen Situationen: das ist dann Denken unter verändertem Bewusstsein, man könnte auch sagen: mystisches Denken. Leider bringt das sofort viele Pseudorationalisten auf die Palme und gibt ihnen eine Steilvorlage für destruktive Argumente. Es gibt zahllose Dokumente mystischer Wahrnehmungen aus allen Kulturen (Buddhismus, christliche Mystik, indogene Religionen etc.), die genau dieses vernetzte Denken und Wahrnehmen beschreiben. Im Alltag bleibt davon jedoch nur eine sprachlich nicht kommunizierbare Grundhaltung. Ein GEFÜHL des Verbundenseins. Somit hast Du das Sprachproblem auch wunderbar auf den Punkt gebracht. Genau dieses Problem wird zum Beispiel im Zen-Buddhismus mit Koans nutzbar gemacht: Per Sprache werden Fragen, Aufgaben etc. formuliert, die das logische und sezierende vernetzte Denken überfordern. Eine Antwort lässt sich immer nur intuitiv finden.
  3. Aus 2.) folgt: Mit dem Navigieren unter Komplexität bewegen wir uns automatisch, wenn wir nicht den von Dir treffend beschriebenen Methodenfehler begehen wollen, in einer wie auch immer gearteten spirituellen Dimension. Und genau das ist vielen, wenn nicht den meisten Pseudorationalisten ein Greuel. Weil sie eben diese Dimension ablehnen. Es übersteigt Ihr Denken und Wahrnehmen! Es sprengt ihr newtonsches-cartsianisches Weltbild simpler linearer Kausalketten. Zusammenhänge, in denen kleine Ursachen immer nur kleine vorhersehbare Wirkungen erzeugen. Der dahinter liegende emotionale Grund ist nur allzumenschlich: Es ist die Angst einzugestehen, dass wir viel weniger rational verstehen und kontrollieren können, als uns lieb ist. Wir pflegen lieber die Illusion der Kontrolle. Die Rolle unseres Lebens ist die des Homo Faber.

Herzliche Grüße

Andreas

Vernetztes Denken ist (noch?) eine Illusion


Ich möchte die Chance wahrnehmen, um die mich auch Andreas gebeten hat, meine Gedanken zum Thema Vernetztes Denken zu formulieren.

Ich möchte zur Einleitung einige Worte verlieren. Auf dem ersten Blick mag es so aussehen, als wenn ich die Methoden und Tools, die das Vernetzte Denken motivieren und unterstützen, verteufele. Dem ist absolut nicht so. Ich bin Fan dieser Methoden und Tools und bin sicher, dass nur diese Denkrichtung uns Menschen bei der Bewältigung der bevorstehenden komplexen Sachverhalte helfen kann. In diesem Post möchte ich aber ein bisschen tiefer die Grenzen, aber auch die Vorteile dieser Vorgehensweise im Denken beleuchten, damit ich, aber auch Sie – wenn Sie mögen – die Methoden und Tools noch effizienter und effektiver einsetzen können. Nun will ich aber starten.

Ich höre und lese sehr häufig die Forderung nach einem vernetzten Denken der Menschen. Wir können unsere Problemstellungen in einer zunehmend vernetzten Welt nur durch vernetztes Denken in den Griff bekommen. Eine Studie der Boston Consulting Group aus dem Jahre 2002 belegt diese These.

Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Wir wissen oder glauben zu wissen, dass wir vernetzt denken müssen, um die Komplexität der heutigen vernetzten Welt zu handhaben. Aber können wir überhaupt vernetzt denken? Aus dem Titel dieses Posts wird meine Sicht bereits klar. Wir können es (derzeit) nicht. Aber keine Angst, denn das ist auch gar nicht notwendig. Warum? Das möchte ich jetzt zeigen.

Was ist eigentlich vernetztes Denken?
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Die Spielregeln der Budgetplanung aus einer vernetzten Denkperspektive


Müssen Manager und Führungskräfte vernetzt denken können? Wenn ja, sind wir dazu fähig? Es gibt doch Bildungseinrichtungen, die uns das Denken beibringen, oder?

Am Beispiel der derzeit praktizierten Budgetplanung möchte ich aufzeigen, was passieren kann, wenn das vernetzte Denken auf der Auswechselbank versauert und statt dessen das lineare Denken den Platz auf dem Spielfeld übernimmt.

Als erstes möchte ich ausführen, was vernetztes Denken auszeichnet und charakterisiert. Unter vernetztem Denken wird eine Art von übergreifendem Denken verstanden. Es ist eine Weise zu denken, bei der der Denkende keine oder wenn dann nur bewusst auferlegte Grenzen kennt. Grundgedanke beim vernetzten Denken ist, dass alles was existiert miteinander verbunden ist. Daraus folgert sich, dass wir alles miteinander in Beziehung setzen können. Wenn wir vernetzt denken wollen, müssen wir aus sehr vielen verschiedenen Bereichen Zusammenhänge finden und diese zu einem gewählten Thema zusammenführen. Um das Ergebnis des vernetzten Denkens dann schriftlich zu fixieren, reicht ein Text in der Regel nicht aus, da dieser rein linear und nicht ganzheitlich verknüpfend abgelegt werden kann. Eine Möglichkeit des Dokumentierens der Ergebnisse ist das Modellieren, egal ob qualitativ oder quantitativ, mit dem CONSIDEO MODELER. Man erhält ein Modell, welches bildhaft abgespeichert wird und damit die Vorteile gegenüber einem Text aufzeigt. Die wesentlichen Eigenschaften des vernetzten Denkens sind.

  • großräumig, sowie fächer- und themenübergreifend
  • verbindendend und zirkulär
  • offen und Zusammenhänge verknüpfend
  • grenzenlos und regelfrei
  • langfristig

Genau diese Denkweise wird im Rahmen der Erziehung und Bildung eben nicht gefördert. Das erkennt man alleine schon daran, dass in unseren Bildungseinrichtungen der Hang zum Mehr von diesem Beitrag lesen

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